Juhe meine lieben Freunde und ein herzliches Willkommen bei einem meiner letzten, wenn nicht DEM letzten Blogeintrag einer überragenden Zeit in den USA
Wie der eine oder andere vielleicht mitbekommen hat, hat Island mal wieder Europa lahm gelegt. Ist noch jemandem aufgefallen, dass Island gerne mal Probleme macht? Erst die Finanzkrise, wo sie vorne mit dabei waren, jetzt nen Vulkan. Da oben is irgendwas faul - aber das diskutieren wir wann anders.
Mein Flug am letzten Sonntag wurde auf jeden Fall gecancelt und ich saß in Portland fest. Das heißt, dass meine eigentlich als krönender Abschluss gedachte Hillbillyparty nur ein kleiner Gipfel auf dem Weg aufs Dach war. Die Hillbillyparty war eine Party, die in der Heimat von einem unserer Mechaniker statt fand und er meinte er muss mich doch mal in die wirklichen USA/ORegon einweihen. Also sind wir an diesem Tage in die Weinanbaugebiete in der Gegend von McMinnville gefahren. Das hat in erster Linie dazu geführt, dass ich mich noch mehr in "mein" Oregon verliebt hab. Da draußen findet man ein wunderschönes Wald und Weingebiet, wobei ich sagen muss, dass ich da in der Mitte von Nirgendwo nicht für alles Geld der Welt wohnen wollte. Schlussendlich kamen wir dann an einer Art Gehöft an, wo man schon von weitem bestimmt 40 Pickuptrucks stehen sah.
Also wir raus aus dem Auto und erstmal hinter die Werkstatt, wo etwa 40 Leute, hauptsächlich Männer und alle ganz klar als Hinterwäldler zu erkennen begeistert mit Ihren Modellautos gespielt haben. An der Stelle gibt es eine etwa 10 Meter hohe und recht steile Böschung auf der sie ihre Modelle rauf und runter gefahren, gerollt und was weiß ich nicht alles haben. Dabei muss man sagen, dass es sich dabei keineswegs um das das-hab-ich-so-gekauft-und-fahr-jetzt-ein-bissel-damit-rum-Modellauto handelte. Statt dessen waren das richtig technisch anspruchsvolle Modelle, die über Sachen und Hindernisse kamen, die ich für absolut unbezwingsbar gehalten hätte.
Irgendwann gingen dann die ersten zu anspruchsvollerem Gerät über: Mike und sein Kumpel sind mit Ihren Mini-Dirtbikes aufgezogen. Minidirtbikes sind kleine Enduromaschinen, die keine STraßenzulassung haben, meistens aus China kommen, spottbillig sind und verdammt gut voran gehen. Von da an sind die Leute dann auf diesen Maschinen die Böschung und die dahinter liegenden Waldpfade entlang, dass es für mich eigentlich nur eine Frage der Zeit war, bis sich der erste den Hals bricht. Dass alle schon ne ganz gute Menge Alkohol im Blut hatten dürfte klar sein. Die Situation und der Spaßfaktor waren dann aber recht schnell gebremst, als auf der Straße ein weißer Pickup mit einem Quad auf der Ladefläche vorbei fuhr und die beiden Jungs, die gerade auf dem Dirtbike unterwegs waren ne ganze Weile nimmer gesehen wurden. Der Pickup waren die Cops und die haben aus irgendeinem Grund was dagegen, wenn man betrunken auf öffentlichen Straßen ein Gefährt bewegt, das hier keine Straßenzulassung hat. Dazu sei gesagt, dass hier eigentlich alles, was Räder hat ne Straßenzualssung bekommt, man kann sich also ausrechnen, wie legal die Teile sind. Glücklicherweise ging das dann aber einigermaßen glimpflich aus und wir bekamen die Jungs mitsamt Bikes zurück.
Die ganze Sache ging dann noch ne Weile weiter bis wir dann hinter dem Haus standen und plötzlich von der anderen Seite des Hauses ein infernales Motorengeräusch zu hören war. Vermutlich waren wir die einzigen, die nicht genau wussten was das war, wenige Sekunden später wurden wir dann allerdings Primetime vorgestellt, der für den Lärm verantwortlich war. Primtime is der Truck, den Mike mit 2 Kumpels aufgebaut hat und unterhält. Truck heißt hier, dass das mal ein ganz normaler Pickuptruck war. Das ist er nimmer. Mittlerweile hat er da wo früher die Ladefläche war praktisch nichts mehr. Dafür sind da jetzt Kühler und Tank untergebracht. Wo einst ein normaler Motor war, befindet sich jetzt ein verändert 454 cubicinch-bigblock-V8. 454 CuIn sind irgendwas zwischen 7 und 8 Litern oder für die technisch weniger versierten: Etwa 5 Motoren eines durchschnittlichen VW-Polo. Wie sowas ohne irgendeine Form von Auspuff, geschweige denn Schalldämpfung klingt ist durchaus beeindruckend.
Insgesamt eine durchaus interessante Party, auf der ich Sachen auf vier Rädern gesehen hab, die in Deutschland auch einem sehr positiv gesinnten TÜV-Beamten heftige Alpträume bescheren dürften.
Am nächsten Tage in aller Frühe sollte dann also mein Flug gehen. Das ist nicht passiert. Statt dessen war es traumhafter Sommertag mit Temperaturen satt in den 20ern! Da waren der Brandon und ich natürlich auch schon wieder mit dem Kite auf dem Weg an den Strand. Leider hat dieses mal etwas der Wind gefehlt und so war es durchaus möglich dem Drachen zu diktieren wo es lang geht anstatt andersrum. Wobei andersrum definitiv lustiger ist.
Meine Mitbewohnerinnen hab ich an dem Abend dann erstmals wieder richtig gesehen und denen, vor allem meiner Vermieterin, war es sehr arg, dass ich nicht weg komm und dass ich jetzt noch ne lange Woche im doofen Portland festsitz. Ich war da weit weniger besorft drüber. Um mir diese Woche allerdings nicht zu lang erscheinen zu lassen haben sie daraufhin eine Bucketlist für mich aufgestellt. Normalerweise ist eine Bucketlist eine Liste der Dinge, die man tun muss bevor man stirbt. In unserem Fall wars nur bevor man geht, aber es war trotzdem recht gut.
Ein bissel später hing auf jeden Fall in der Küche eine Tafel, auf der verewigt wurde, was ich die Woche alles zu tun hatte. Und dabei wurden keinerlei Kosten und vor allem Mühen gescheut. Ich war auf ner PArty mit richtig geil gebodypainteten Kellnerinnen, war drauf und dran mit ner 45er Magnum rumzuballern (dummerweise gabs dann aber ne Terminkollision) und hab einige andere richtig gute Dinge erlebt, von denen hier nicht unbedingt die Rede sein muss.
Kurz vor meiner ersten geplanten Abreise war ich dann auch noch erfolgreich beim Verkaufen des automobilen Traums, der nach wie vor bei uns in der Einfahrt steht. Alice, meine Vermieterin hat einen Kumpel, der immer wieder kleinere Jobs am Haus für sie übernimmt um sich etwas Geld zu verdienen. Dieser Kollege war von meinem Lincoln so begeistert, dass er ihn mir förmlich abgebettelt hat. Dass er arbeits- und obdachlos ist und keinen Führerschein hat, hab ich est später rausgefunden! :D
Nach langem Verbleib in der Warteschleife von Air Canada bin ich nun auf einen Flug gekommen und hock gerade in Vancouver, BC. Dummerweise ging mein Plan mit dem Last-Minute-Hotel nicht ganz auf, weil aus irgendwelchen Gründen Priceline nicht funktioniert und die Hotels direkt selbst für die übelste Absteige über 100 Dollar wollen. Nachdem der Michl dafür natürlich viel zu geizig ist sieht es wohl so aus, als würde ich diese Nacht am Flughafen verbringen. Der bietet zum Glück wenigstens kostenlosen Internetzugang und Strom.
In diesem Sinne werde ich mich vielleicht noch ein letztes Mal melden um Sachen zu sagen, die schon lange mal gesagt werden mussten.
Viele liebe Grüße aus Vancouver, BC
Michl